80% der Menschen achten auf Nachhaltigkeit – angeblich …

„Knapp 80% der Österreicher achten auf Nachhaltigkeit“ berichtet https://help.orf.at/stories/3211117/. Solche Umfragen sind aus mehreren Gründen für den Mülleimer:   

  1. In Befragungen gibt es das Phänomen der sozialen Erwünschtheit. Befragte geben tendenziell Antworten, durch die sie selbst in einem besseren Licht stehen.
  2. Menschen verstehen unter „nachhaltig“ (oder auch „umweltfreundlich“) die unterschiedlichsten Dinge. Ein Benzinauto kann als umweltfreundlich wahrgenommen werden, das in Österreich verarbeitete Rindfleisch als „nachhaltig“.
  3. Unter Nachhaltigkeit verstehen wir etwas Positives. Von uns selbst haben wir ein positives Selbstbild. Werden wir gefragt, ob wir auf Nachhaltigkeit achten, werden wir dies bejahen, auch wenn wir SUVs fahren, in den Urlaub fliegen und täglich Fleisch essen.
  4. Die Studienteilnehmerinnen wurden auch gefragt, wer die Hauptverantwortlichkeit für mehr Nachhaltigkeit trägt. Das Ergebnis „Die Konsumenten“ wird Industrievertreter vermutlich freuen. So etwas kommt heraus, wenn man manipulativ fragt.
  5. Der manipulative Effekt hier nennt sich „Priming“. Man stellt zuerst Fragen zu individueller Nachhaltigkeit im Konsum, auf die man wunderbar sozial erwünschte Antworten geben kann. Dann fragt man, wer für Nachhaltigkeit verantwortlich ist. Ergebnis wenig überraschend: individuelle Konsumenten.
  6. Ob auch Politik eine Verantwortung trägt, wurde den verfügbaren Informationen nach gar nicht abgefragt. Der Bericht auf help.orf.at verschweigt diesen Aspekt, auf der Website des Marktforschungsunternehmens gibt es die Studie nicht.

Conclusio: Die Methodik dieser „Studie“ ist völlig unseriös, die Ergebnisse sind irrelevant. Einen eigenen Artikel ist sie eigentlich nicht wert.

Nachsatz: Der österreichische Rundfunk widmet sich verstärkt Themen wie Nachhaltigkeit und Klimawandel, und macht dabei größtenteils einen sehr guten Job. Beim Berichten sozialwissenschaftlicher Studien gibt es aber noch Luft nach oben.

3 Kommentare zu „80% der Menschen achten auf Nachhaltigkeit – angeblich …

  1. Hoffnungsanker Klimarat

    Bei der Präsentation der Ergebnisse der Beratungen im Klimarat wurde gezeigt, dass die im Land lebenden Menschen bereit sind, bei klimapolitisch wirksamen Maßnahmen das Niveau der Politik zu übertreffen.

    Vielleicht sollten wir uns daher ganz generell für mehr Partizipation stark machen und uns ganz im Sinne von Emanuel Towfigh für die „Weiterentwicklung der demokratischen Ordnung“ einsetzen.

  2. Stellen Sie sich vor, Sie sind mit einer Reisegruppe am Strand, das Meer zieht sich zurück und eine riesige Tsunamiwelle türmt sich gerade vor Ihnen im Meer auf. Sie würden sofort ALLE Richtung Landesinnetes auf den nächsten Hügel zulaufen.

    Überträgt man die aktuellen Bestrebungen zur Bekämpfung der Klimakrise in dieses Bild, würde sich folgendes ergeben:

    Einige kleben sich „Wir sind bereits im Landesinneren auf einem Hügel.“-Sticker die Brust. Manche sagen, sie haben bereits ihren Liegestuhl etwas verschoben – jetzt sollten die anderen mal etwas tun. Andere meinen, zuerst sollten die Beleibteren losgehen, weil man so viel mehr Körpermasse auf einmal retten könne. Wieder andere meinen, Wellen am Meer sind kein Grund zur Panik, die gab es immer schon. Eine weitere Gruppe meint, sie seien auf wohlverdientem Urlaub hier, man möge doch endlich ruhig sein. Die Reiseleitung meint, wir wollen doch nicht wieder in den Wald zurück. etc. etc.

    Warum ist das so?

    Die Politik, Industrie und der Großteil der Bevölkerung verstehen meiner Meinung nach die Tragweite der Klimakrise noch immer nicht. Die IPCC-Berichte werden kaum gelesen und die Politik erhält gerade mal die Zusammenfassung der Zudammenfassungen. Genauso gut könnte man ihnen als „Management Summary“ die berühmte Phrase „Wie oben, so auch unten.“ überreichen.

    Natürlich ist der Bericht für Laien schwer verständlich, er müsste noch viel besser Übersetzt werden. Gerade der Klimabürgerrat hat gezeigt, dass man die Klimakrise auch der Bevölkerung erklären kann! Warum gibt es solche mehrmonatigen Informationskampagnen noch nicht für Entscheidungsträger aus Politik und Industrie? Nur wer die Zusammenhänge VERSTEHT, sieht die Sinnlosigkeit von Verhandungen mit den Naturgesetzen ein.
    Warum werden die Berichte nicht landesweit in den Unterricht eingebaut? Es gibt wohl nur wenige Fächer, die von den Berichten nicht tangiert werden.
    Wann kommen die Science-Fiction (im wahrsten Sinne des Wortes) Romane, die uns die Auswirkungen unseres Nichthandels drastisch vor Augen führen?

    Erst wenn die Bevölkerung versteht, dass JETZT der Zeitpunkt zum loslaufen erreicht ist, wird sie genügend Druck auf die Entscheidungsträger aufbauen, damit diese endlich handeln. Ohne diesen Druck – das zeigt die Gaskrise gerade sehr erschütternd – wird gar nichts passieren.

    1. 1) Bei der Tsunami-Welle rette ich durch Flucht auf einen Hügel mein eigenes Leben, beim Klimawandel rette ich jedoch das Leben zukünftiger Generationen. Und wie weit der Mensch Bedürfnisse künftiger Generationen vor seinen eigenen Bedürfnissen stellt, kann sich jeder selbst überlegen. Welchen Linken stört z.B. eine immer größer werdende Staatsverschuldung, solange er selbst von den Segnungen der sozialistischen Umverteilung profitiert?

      2) Bei einer Tsunami-Welle kann ich mich als einzelne Person dadurch retten, indem ich auf einen Hügel flüchte. Bei der Klimakrise kann sich Europa – mit einem Anteil von 8% am weltweiten CO2-Ausstoß nicht dadurch retten, indem Europa seinen CO2-Ausstoß auf 0% reduziert.

      3) Wie lernt ein Kind am besten, dass Hitze gefährlich ist? Indem es auf die heiße Herdplatte greift. Die meisten Menschen lernen eben nur aus persönlicher Erfahrung. Wie sonst ist es zu erklären, dass 77 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg die westlichen Kriegstreiber in der europäischen Bevölkerung wieder so eine große Zustimmung finden. Und ohne eigene traumatische Erfahrungen bezüglich der Auswirkungen des Klimawandels ändert sich eben auch die Einstellung der breiten Masse dazu nicht.

      4) Nicht einmal die Machthaber in Diktaturen wie China getrauen sich eine harte Klimapolitik gegen den Willen der breiten Bevölkerungsmehrheit durchzusetzen. Wie soll das dann in demokratischen Staaten gelingen? Durch die Wetterextreme der letzten Jahre lernen die Menschen wesentlich eindrücklicher und nachhaltiger, als durch dauernde Belehrung und Umerziehungsversuchen von Besserwissern. Diese Belehrungen rufen nämlich überwiegend Widerstand hervor. Ich weiß wovon ich rede, denn ich diskutiere oft über dieses Thema mit Menschen in meinem Umfeld (Verwandte, Freunde, Arbeitskollegen, Bekannte).

      5) Ein essentielles evolutionäres Prinzip ist das Selektionsprinzip (Survival of the Fittest). Dieses wichtige Prinzip wurde beispielsweise bei den politischen Entscheidungen zum World-Food-Programm, zur Massenmigration (den sogenannten Fluchtbewegungen), zur Corona-Pandemie, oder zum Klimawandel komplett ausgeblendet. Dadurch wächst die Menschheit jährlich um durchschnittlich 80 Millionen Menschen an, weil keine natürliche Auslese mehr stattfindet. In der Vergangenheit hingegen durchlebte die Hälfte der menschlichen Populationen drastische Einschnitte: Genetische Flaschenhälse prägten unsere Geschichte. Auch hat es auf unserem Planeten in den letzten 540 Millionen Jahren bereits 5 Massenaussterben gegeben. Das Leben hat sich trotzdem, oder gerade deswegen, stets weiterentwickelt, hin zu höherer Komplexität. Und unser Planet wird auch noch weitere Milliarden von Jahren bestehen, unabhängig vom CO2-Gehalt der Atmosphäre und unabhängig von der menschlichen Spezies.

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